Graupen

Da, wo ich regelmäßig mit Kindern tusche und Kuchen backe und dafür Geld bekomme, saß mir ein Vater am Tisch gegenüber und löffelte Suppe aus einem Eimer. Mein Kollege fragte: „Was ist du denn da? Erbsen?“

Der Vater, ein stämmiger Typ mit blondem Bart und Tätowierungen, sagte: „Graupensuppe.“

„Raupensuppe?“, fragte ich. “ Und wenn du aufgegessen hast, wirst du ein Schmetterling!“

Der Vater lachte, wurde dabei ganz rot und zuckte etwas mit den Schultern. Dennoch fuhr er ungerührt mit dem Essen fort. In meinem Kopf vermischte sich das Bild, wie ihm Schmetterlingsflügel wuchsen, mit verschlungenen Mustern wie seine Tätowierungen, in lila, grün, rosa und gelb, und wie er sich damit über den Kicker und den Billardtisch erhob, mit mehreren kraftvollen Flügelschlägen, mit der Vorstellung, die ich als Kind schon von Graupen gehabt hatte- nudelartige, zusammengerollte Kellerasseln, mitten im Suppengrün.

 

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