Rabbids Go Home – ein Spiel für die Wii

Neulich war ich bei meinem Bruder und seiner Familie zum Wii-Spielen eingeladen. Meine Neffen hatten sich, wie mir mein Bruder später verriet, schon ganz lange darauf gefreut, mit mir dieses eine bestimmte Spiel zu spielen „Rabbids Go Home“. Erst mal war ich gar nicht so heiß drauf – ich finde Computerspielen immer recht unkommunikativ, und man starrt ja schließlich schon genug den ganzen Tag über auf den Bildschirm. Das Spiel, um das es ging, hatte mich dennoch bald gepackt- weil es so schön albern, aber so schön liebevoll gemacht ist.

Die Story dahinter ist ziemlich bekloppt. Es gibt Hasen in einer Stadt, die am liebsten unter einer Lichtquelle schlafen. Diese Lichtflecken sind jedoch immer so rasch besetzt. Und da scheint der Vollmond über ihnen und sie beschließen, so viel Müll zu sammeln, dass der Müllberg sie bis hinauf zum Mond bringt und sie alle dort einen neuen und besseren Schlafplatz finden.

Zwei Hasen rennen also mit einem Einkaufswagen durch die Stadt und sammeln Müll. Vor Hunden müssen sie sich in acht nehmen, und wie bei all diesen Spielchen auch davor, in irgendwelche Abgründe zu fallen. Die „Waffe“, die den Hasen zur Verfügung steht, um gegen Hunde anzugehen, ist ihr ohrenbetäubendes Gebrüll, das der Spieler nicht hört, sondern nur sieht – um den betreffenden Hasen breitet sich ein Kreis aus, und der Hund fällt um. Menschen kann man auch anbrüllen, sie verlieren daraufhin die Kleider, und jeder Mensch trägt mindestens ein Sixpack Colaflaschen mit sich herum, die man dann einsammeln kann.

Ist der Müllhaufen, den man mit sich herumfährt (sehr schön, wie sich der Stapel auf dem Einkaufswagen immer mit in die Kurven legt!), groß genug, kann man zu einem anderen Hasen fahren, der mit einer Tuba in einer Ecke steht, und dem schmeißt man das alles in den Instrumententrichter rein. Am Ende eines „Levels“ gibt es jeweils eine große Aufgabe – man muss einen großen Gegenstand (einen Bademeisterturm oder ein Krankenbett mit einem Kranken oder…) einsammeln und im Klo runterspülen. Hat man das geschafft, folgt ein kleines Filmchen, in dem man die Hasen und die gefundenen Gegenstände durch die Kanalisation schwimmen sieht, in einem Pisskanal und auf einer recht unappetitlichen Matratze.

Alles, was man gesammelt hat, wird am Ende auf den bereits angelegten Müllhaufen geworfen; im Verlauf des Spiels sammelt man tausende von Metern Müll und kommt dem Mond immer näher.

Untermalt wird das Geschehen von Balkan-Musik à la „Schwarze Katze, weißer Kater“ (daher auch der Hase mit der Tuba.)

Während man sich durch die verschiedenen Level bewegt, gibt es immer wieder lustige Dinge zu entdecken – dass man Colaautomaten auch anbrüllen kann, zum Beispiel, und dass man die vom Brüllen betäubten Hunde einsammeln und auch mit auf den Müllhaufen werfen kann… Zudem kriegt man auf dem Weg Geschenke – das sind Verzierungen für die beiden Hasen, mit denen man rumfährt. Man kann die Hasen mit einem Ventilator in einen anderen Raum einsaugen, der so aussieht wie das innere der Wii. Schüttelt man die Wii, fällt auch der Hase in dem Raum umher. Es lassen sich Tätowierungen auf die Hasen kleben oder mit Tinte die Ohren färben, man kann ihnen einen Schwertfisch oder einen Strohhalm als Hut aufsetzen, man kann ihre Augen verschieben und aufblasen und überhaupt sehr viele Spielchen mit ihnen treiben; zum Teil auch ziemlich gemein. Die Hasen sind aber sehr robust – pustet man ihnen zum Beispiel so lange das Ohr auf, bis es platzt, kichern sie etwas, als hätte das gekitzelt, schütteln sich und stehen wieder ganz erwartungsvoll da. Mit den Augen folgen sie immer dem Cursor, als wollten sie sagen: was macht der bloß als nächstes mit mir? Und egal wie bescheuert sie nach all dieser Styling-Prozedur aussehen – sie machen ein stolzes und dankbares „Wow“-Geräusch, wenn sie fertig sind und sich im Spiegel anschauen.

Überhaupt: die Geräusche! Die Tröte, die man aus verschiedenen Abflussrohr-Teilen zusammenbauen muss, hat mich ja so begeistert, das ich sie glatt in die Sounds der Woche aufgenommen hab. Aber auch sonst sagen die Menschen, die man angebrüllt hat, sehr lustige Sachen, und ebenso zum Lachen sind die Durchsagen in den Konsumtempeln, die man mit seinem Einkaufswagen durchquert.

Von den Bewegungen her, die man mit der Wii machen muss, ist das jetzt alles nicht so spektakulär – schütteln, Knöpfe drücken, fahren – das ist schon alles. Aber diese Seiten-Entdeckungen und die kurzen albernen Filmchen, die man an manchen Stellen entdecken kann, machen großen Spaß. Ich hab noch mit meinem Bruder da gesessen, als meine Neffen schon längst im Bett waren und auch meine Schwägerin schon eingeschlafen war, und wir haben wirklich und wahrhaftig Tränen gelacht über unsere albern gestylten Hasen.

So albern das Ganze ist, so sehr beschleicht einen auch ein Unbehagen, wenn man den stetig wachsenden Müllberg anguckt, den man da ansammelt. Und wenn man die sinnentleerten Phrasen in den Einkaufswelten lauscht oder wenn man gar mit seinem Einkaufswagen durchs Atomkraftwerk fährt und lauter Atommüll einsammelt, bleibt einem zuweilen das Lachen im Halse stecken, wenn einem dämmert, dass dieser ganze Nonsens so manche unbequeme Wahrheit in sich birgt.

 

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Computerspiel

Eine Antwort zu “Rabbids Go Home – ein Spiel für die Wii

  1. Anonymou

    Viel besser: Rayman Origins (vom Hasenmacher).

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