Ein Tag zum Finden

Heute wollte ich eigentlich am Schreibtisch sitzen, den ganzen Nachmittag. Morgens hatte ich einen Termin, aber danach, danach wollte ich sehr produktiv sein und Dinge zu Ende bringen.

Aber als ich hinaustrat in diese sommerliche Hitze, da war es fast schon klar – heute, das ging gar nicht anders, heute würde ich so tun müssen als hätte ich Ferien. Sommerferien. Schlendern und an nichts denken und sich treiben lassen. Verdammt.

Nach meinem Termin traf ich einen Kollegen, zufällig hatten wir den gleichen Weg und fielen ebenso zufällig und geradezu unausweichlich in ein Café am Wegesrand auf einen Eiskaffee und mussten da sitzen bleiben, bis es schon wieder Nachmittag war.

Beim vorherigen kurzen Zwischenstopp in meiner Wohnung hatte ich schon etwas gefunden. In unserem Hausflur gibt es nämlich so eine kleine, unausgesprochene Tauschbörse. Wer Bücher hat, die er nicht mehr haben will, oder Tassen oder Müslischüsseln oder Blumentöpfe – der kann sie auf den Briefkästen abstellen und vielleicht macht er jemanden damit froh. Ich habe schon daher gesammelt: zwei Müslischüsseln, eine arme verwaiste Pflanze, mehrere Bücher. In den Kreislauf zurückgegeben habe ich eine ungeliebte Micky-Maus- und eine Diddl-Tasse, ebenfalls einige Bücher und meine doofe kleine und bei mir völlig überflüssige Käsereibe. Die Käsereibe tauchte allerdings nach ein paar Monaten wieder auf – offensichtlich abgewählt.

Heute fand ich auf dem Briefkasten das Buch „Philosophische Vitamine“ von Theo Roos, mit dem Untertitel „Die Kunst des guten Lebens“. Das hab ich gleich mal meinem Kollegen geschenkt, er soll ja auch was haben von unserer unausgesprochenen Tauschbörse. Vielleicht ist das auch totaler Schrott, so ein pseudophilosophischer Lebensratgeber. Aber beim Kaffee schlug ich das Buch irgendwo auf und da sah man einen gezeichneten Foucault auf einem Surfbrett. Das Kapitel begann mit dem Ratschlag Foucaults an seine Studenten, doch mal ruhig rumzutrödeln. Na also.

In meine eigene Tasche hatte ich einen Thriller gesteckt, von Matthew Reilly: Contest. Reilly ist ein australischer Thriller-Autor, und ich weiß gar nicht, warum mich ausgerechnet dieses von den aussortierten Büchern so ansprach. Vielleicht darum, weil es nach Unterhaltung aussah und weil als Setting die New York Library angegeben ist. Falls das hier noch nicht rausgekommen ist: Ich mag Bücher. Ich mag auch Bibliotheken. Als ich in der U-Bahn einen Blick hineinwarf, war ich schon wieder sehr beeindruckt über die Nachricht, die ich da erhielt. In der Danksagung schrieb Reilly:

„To anyone out there who knows a writer, never underestimate the power of your encouragement.“

Irgendwie fühlte ich mich da auch gleich gestärkt und hatte das Gefühl, Reilly danke sagen zu müssen, auch wenn sein Thriller vielleicht auch nur Schrott ist.

An anderer Stelle fand ich noch ein sehr günstiges Gratin, das gerade fertig war, als ich grade vorbei kam, heruntergesetzte Joggingschuhe in meiner Größe, und auf einer Bank an der S-Bahn einen Zettel mit blauer Tintenschrift, auf dem jemand den kompletten Text von „Don’t worry, be happy“ aufgeschrieben hatte – „do not frown, it makes everybody down.“

So ein Ferientag ist voll von wunderbaren Fundstücken, wenn man sich nur mal vom Schreibtisch forttreiben lässt.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Nachrichten vom Schreibtisch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s