Sounds der Woche (11)

Flexen. Am U-Bahnhof „Deutsche Oper“ stieg ich aus und wollte wie gewohnt da unter den Säulen entlang gehen, da kreischte es in meinen Ohren – ein Bauarbeiter schnitt Gehwegplatten mit diesem harten, lauten, bis in die Zähne hineinschneidenden Lärm, dazu eine Staubwolke – ich musste anders gehen als gedacht. Mit einer Hand hielt ich das Ohr zu, das der Baustelle zugewandt war, und sah ängstlich da hinüber – so ängstlich, dass ein anderer Bauarbeiter, der grade auf seinen Spaten gestützt dastand und rauchte, mich belustigt angrinste. Und ich, furchtsam, erwartete das neuerliche Kreischen der Flex. Das nicht kam. Vorsichtig nahm ich die Hand herunter, der Bauarbeiter grinste, und ich genoss die Stille nach der Flex.

 

Quietschender, knarrender Hocker. Ich habe Aufnahmen geschnitten in der letzten Woche, Sprachaufnahmen und Musikaufnahmen für eine kleine Reportage. Und ich weiß doch, dass man auf sowas achten muss in der Aufnahmesituation: dass es keine unliebsamen Nebengeräusche gibt. Dennoch, da war es: das Knarren des Ledersessels beim Sprecher, der ächzende, seufzende kleine Hocker des Gitarristen. Das muss jetzt drin bleiben in der Reportage, das geht nicht weg – dieses Zeugnis des unaussprechlichen Leidens des Materials.

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