Aufmerksam sein

Bei meiner Nichte war ich zu Besuch, sofern man das so sagt bei jemandem, der erst dreieinhalb Jahre alt ist. Ich durfte ihre neuen Wasserfarben ansehen und die Bilder, die sie damit gemalt hatte, und sie erzählte mir von den Nachbarn und den Bauarbeitern, die am Morgen immer Lärm gemacht haben, aber dass jetzt das Gerüst weg ist, und dass sie mit einem Flugzeug in den Urlaub geflogen war, dass man auf Mallorca buddeln kann und dass das Wasser dort salzig schmeckt. „Da war eine große Welle und dann bin ich untergegluggert“, sagte sie.

„Gluggern“, das war dann auch weiter das Thema. Als sie einschlafen sollte, legte sie den Kopf auf meinen Bauch, aber da gluckerte es eben so rätselhaft. Und der Trinkbecher gluckerte auch.

Ich durfte fühlen, wie weich ihre Schlafanzughose war, und den Pudel darauf angucken und die Libellen auf der Bettwäsche.

Ich finde, so ein Besuch in der Kinderwelt hilft sehr, um mal wieder hinzusehen – alles neu zu sehen. Je älter man wird, desto weniger achtet man auf Pudel auf Schlafanzügen, darauf, wie etwas gluckert oder wie sich ein Kleidungsstück anfühlt. Und dabei sind es doch genau diese Dinge, die das Leben so wunderbar besonders machen.

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