Trueblood und die Vampir-Romane von Charlaine Harris

Bei meinem unverhofften Südstaaten-Schwerpunkt dürfen die Vampirromane von Charlaine Harris nicht fehlen. Diese „Abenteuer der gedankenlesenden Kellnerin Sookie“, wie es im Klappentext heißt, sind die Grundlage der HBO-Serie „TrueBlood“. Und „TrueBlood“ hat meinen absoluten Lieblings-Vorspann, den man sich unbedingt angucken sollte, wenn man ein Gefühl für die Südstaaten kriegen will.

„Californication“ hatte auch schon einen tollen Vorspann, aber das war im Vergleich doch nur eine Fingerübung. und diese Erotik und der Verfall und der religiöse Wahnsinn, die Vorurteile und zugleich das Nebeneinander, die schwelende Sexualität, der süße Geruch von üppigen Blüten, der so schnell in Verwesung umschlägt – all das sieht man da in kürzester Zeit zusammengeschnitten, und umso mehr lässt sich nachvollziehen, wie sehr Daniel in „Abgebrannt in Mississippi“ über den wild wuchernden und nicht zu bändigenden Rasen flucht, dessen Pflege man ihm überantwortet hat.

Aber darüber wollte ich ja gar nicht schreiben – „TrueBlood“ ist ja auch schon weit davon entfernt, noch ein Geheimtipp zu sein, und alle Leute, die ich kenne, die heimliche Serienjunkies sind, haben sich zumindest schon mal daran versucht und sind entweder abhängig geworden oder an diesem Übermaß an Sex, Gewalt und übertriebener Fantasymotiv-Akkumulation abgeprallt.

Zu den Romanen, die dem Ganzen zugrundeliegen und um die es hier gehen soll, bin ich gekommen, weil neulich beim Geburtstagsfrühstück einer Freundin eine Expertin saß, die sich hauptsächlich mit Vampirromanen beschäftigt und die im Gegensatz zur Serie die Sookie-Stackhouse-Diarys sehr verteidigt hat. Von ihrer Begeisterung und davon, wie sie beim Erzählen den Eindruck machte, in einer ganz eigenen Welt mit eigenen Regeln versunken zu sein, war ich ganz neugierig geworden. Und dann rief mich mein Bruder an, weil er einen Haufen alberner Bücher zum Verschenken in seinem Hausflur gefunden hatte – „Untot in Dallas“, „Ein Vampir für alle Fälle“, „Vampir mit Vergangenheit“ – und die Cover mit blutigen Händen, roten Fingernägeln, Rosen, aufgerissenen Vampirmündern… Eigentlich dachte mein Bruder, ich schlage die Hände über dem Kopf zusammen und sage „Spinnst du? Lass das bloß da liegen!“ Stattdessen wollte ich sie tatsächlich alle haben. Und hab die, die er mir wirklich gebracht hat, auch schon gelesen.

Denn die Bekannte bei dem Frühstück hat nicht zu viel versprochen – die Romane sind wirklich unterhaltsam und entführen einen in eine ganz andere Welt – eine, in der es Vampire und Werwölfe und Gestaltenwandler und Mänaden und Hexen und Elfen gibt, die einem aber ansonsten sehr schön amerikanisch-gewöhnlich vorkommt. Es entsteht eine ganz besondere Mischung aus Action, Krimi, Fantasy und Liebesroman. Und Sookie, die Hauptfigur und Erzählerin, ist weitaus herber und härter, als man bei einer solchen Frauenfigur erwarten könnte. Sie wird andauernd verletzt, körperlich und seelisch, und rappelt sich immer wieder auf. Je weiter die Story voranschreitet, desto kaltblütiger wird sie bei der Beseitigung ihrer Gegner. Und auch das ergibt eine sehr interessante Mischung: eine Frau, die sich um ihre zerrissene Seidenstola, ihr Dekolleté und ihre Sonnenbräune Gedanken macht, aber dann mit ihrem Spaten nach dem mittäglichen Sonnenbad Elfen erlegt und feindlichen Vampiren Holzpflöcke ins Herz rammt – das ist doch sehr speziell.

 

Allerdings muss ich sagen, dass mir an der Serie die Ausgestaltung der Nebencharaktere viel besser gefällt. Und dass, so wie schon im Vorspann, diese gewisse wuchernde, überbordende, von Vorurteilen, Widersprüchen, Bigotterien, religiösem Wahn und Aberglauben gekennzeichnete Südstaatenwelt umso detailgetreuer nachgezeichnet wird. Charlaine Harris hat in ihren Romanen gewissermaßen die Skizze geliefert für das, was in der Serie weiter entwickelt und ausformuliert wird.Und beides, das muss ich zugeben, hat bei mir Suchtpotential entwickelt – die Bücher mussten ausgelesen werden, und bei der Serie bin ich auch so weit gekommen wie es bislang geht. In ziemlich kurzer Zeit. So dass ich beim Euro Vision Song Contest die ganze Zeit erwartet habe, dass die Tänzer auf der Bühne sich gleich gegenseitig in den Hals beißen und sich das Blut aussaugen. Das wär ja auch irgendwie amüsanter gewesen.

 

 

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