Sounds der Woche (17)

Besen auf Draht. Am S-Bahnhof Bellevue standen zwei Männer und reinigten mit langen Besen die Drähte, die da weit über ihren Köpfen gespannt waren und die ich bei dieser Gelegenheit erstmalig bemerkte. Nur kurz war ein leises Quietschen zu hören, erst von dem einen, dann von dem anderen Besen, ein runder Impuls im Bahnhofsdurcheinander, und die beiden Männer blickten nur stumm nach oben, konzentriert, als spielten sie ein Instrument. Gern hätte ich gelauscht, bis alle Drähte sauber wären; nur leider war ich verabredet, und so musste ich die Treppen hinabeilen, den Kopf, ein Ohr halb zurückgewendet, doch nach diesem einen Klingen brachten die Besen der beiden Männer kein weiteres Geräusch mehr hervor.

Engelstrompete. Bei meinen Eltern im Garten war ich zu Besuch, und mein Vater sagte, das musst du dir ansehen, deine Engelstrompete. In einer Ecke des Gartens stand der Topf mit der Pflanze, die ich vor zwei Jahren bei ihnen untergestellt hatte, und jetzt, grade jetzt, blühte sie mit unzähligen trichterförmigen Blüten und verbreitete einen süßlichen Duft. Aus all diesen Trichtern, das meinte man zu hören, kamen Trompetenklänge, aber sanfter, als seien die Trompeten aus Blütenwänden gemacht anstatt aus Blech, und sie lagen übereinander, die Töne, hauchige, gelbliche Cluster, ein blumiger Engelsvielklang.

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