Bohumil Hrabal: Ich habe den englischen König bedient

Als kleiner Hoteldiener fängt er an und arbeitet sich bis zum Millionär hoch, der Ich-Erzähler in Bohumil Hrabals Roman „Ich habe den englischen König bedient“. Obgleich er klein und zunächst immer Untergebener ist, bewahrt er sich seine Unabhängigkeit, dadurch, dass er Geld verdient und Geld hat und schon früh mit der Wirkung, die Geld auf andere hat, herumexperimentiert. Und damit, dass ihm das Geld irgendwie auch trotzdem immer ganz schön egal ist.

Aus der Perspektive dieses Hotelangestellten und Kellners, später Hotelbesitzers, werden die Zeitläufte mitverfolgt – die goldenen Zwanziger, die Wirtschaftskrise, das Aufkommen des Zweiten Weltkriegs, die Veränderung der politischen Verhältnisse danach. Gespickt mit allerhand erotischen Abenteuern wird in einem bunten Erzählfluss der Aufstieg und Fall des Hoteldieners dargestellt, zum Teil absurd, grotesk, komisch.

Ja, und mehr mag ich gar nicht schreiben, weil ich damit so viel vorwegnehmen würde – die Situationskomik, die seltsamen Figuren, die man doch besser selber entdeckt, die melancholischen oder romantischen oder grässlichen Momente, die da einer nach dem anderen aus dem Erzählfluss auftauchen.Davon lebt der Roman, vom Fließen der Bilder und Figuren und Situationen, vom Witz, der in der Beobachtung liegt und in der feinen Darstellung der Machtverhältnisse. Es liegt eine heitere Stimmung darüber, obwohl Krieg und Bombenangriffe und gesellschaftliche Umwälzungen geschildert werden. Wahrscheinlich sind es der Überlebenswille, die Lebenslust, der vermeintlich naive Blick des Kellners auf die Dinge, die einen die gesamten 300 Seiten neugierig verfolgen lassen, wie es weiter geht.

Die schönste Szene, das ist die mit der Grenadine. Aber die sollte man lieber selber entdecken, während man sich von Hrabals Erzählfluss wegtragen lässt.

 

 

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