Sounds der Woche (25)

Güterzug. Am S-Bahnhof Springpfuhl in einer hellen Mondnacht ins Gespräch vertieft, und gerade fällt der Satz: „Ich frage mich ja auch, ob…“, da kommt der Güterzug. Dräuend lag er schon unter dem Satzanfang, aber direkt nach dem „ob“ schnitt er die Worte auseinander, das Zuggeräusch eine dröhnende Fläche, und man kann nur hilflos gucken und dann lange nichts tun als nur die vorbeirasenden Container betrachten, bunte Flächen, Lücken dazwischen, und das feine Auf und Ab, die kleinen Differenzen im großen Gesamtklang. Und der Güterzug hört und hört nicht auf.

Während wir dem metallischen Nachhall lauschen, wie er sich in der Ferne zurückzieht, frage ich mich, ob sich das Gespräch nahtlos fortsetzen lässt oder ob der Lärm einen Graben zwischen die Worte getrieben hat, einen zeitlichen Graben, der sich niemals wieder wird füllen lassen.

 

Lampenschirm. Eine Lampe auf der Fensterbank am Tisch, an dem wir sitzen, und aus Versehen stoße ich gegen den milchig-gläsernen Lampenschirm. „Bing!“ macht es da, so als habe man gerade eine besonders gute Idee gehabt. Wie das wohl wäre, wenn immer ein solcher Glockenton zu hören wäre, sobald jemand eine Idee hat? Wäre das ein unaufhörliches Geklingel auf der Welt, dass einem schon alsbald auf die Nerven ginge? Oder würde man jedes einzelne „Bing!“ herbeisehnen, in einer sonst ganz eintönig-einfallslosen Welt?

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