Sounds der Woche (27)

Wurzelwerk. Im Garten, mit den Handschuhen  im Dreck wühlen, um einen kleinen Graben auszuheben. Es wird gekämpft gegen die Wurzeln einer Hartriegelhecke. Mit dem Spaten hineinhacken, stemmen, hebeln – und wie schön ist der Moment, wenn dieses leichte Knacken irgendwo zu hören ist, das zu einem vielstimmigen Geprickel wird – und endlich – KNACK! – gibt die Wurzel auf. Dumm nur, dass keine zwei Zentimeter weiter schon die nächste liegt, hartnäckig, zäh und stumm. Wenn ich aufgebe, dann gibt das kein Geprickel und Geknacke, wahrscheinlich fluche ich kurz, wende mich ab, und vielleicht hört man noch das Geräusch meiner Arbeitsschuhe im feuchten Gras, wenn ich gehe.

Keilriemen. Anderntags zu Besuch, im dritten Stock irgendwo, zum Arbeiten, zum Abmischen von Musik. Die Ohren sollen auf die Instrumente und Frequenzen hören, die aus den Boxen kommen. Doch durchs Fenster dringt ein hohes Geheul, jemand dreht eine Runde in der Sackgasse mit seinem Auto, das muss wohl der Keilriemen sein, der da heult, der Keilriemen, den man in Filmen immer mit Strumpfhosen ersetzt, wenn er reißt, was mitten in der Wüste passiert, meistens, aber wer hat schon in der Wüste und in der Sonnenglut Strumpfhosen an? Dieser Keilriemen reißt nicht, er eiert und weint und ich denke an Fluchtautos und quietschende Reifen, an funkende Felgen und an Al Capone. Als ich endlich wieder auf die Musik hören kann, kommt sie mir blass vor. Es fehlt: ein bisschen Wüste, Spannung und Abenteuer.

Storno. Müde in Neukölln unterwegs, der Tag war schon lang und muss noch länger werden, wie schaff ich das bloß, der einzige Trick: eine Mate. Unweit ist der Laden mit dem klingenden Kleingeldteller, ich freue mich schon, auf das kalte Getränk und dazu das Geräusch, KLING KLING! zum Abschied in meinen Ohren. Einsfunfzig, sagt die Frau, doch in meiner Tasche, da sind beim besten Willen nur 1,40€ zu finden, die ich gar nicht erst auf den Kleingeldteller lege. Für zehn Cent Kulanz, die hat sie nicht, die Frau, das kalte Getränk kommt zurück in den Kühlschrank, und zum Abschied klingt mir das ZONK-Geräusch der Kasse im Ohr: Storno.

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