Sounds der Woche (33)

Krankenhaustür. Ich war an der Charité, da gibt es an dem Virchowweg diese Gebäude aus rotem Backstein, wahrscheinlich wilhelminisch, aber ich musste bei ihrem Anblick an viktorianische Gruselstorys denken, vielleicht wegen der neugotischen, ziselierten Giebelverzierungen. Innen drin ist das Ganze modern, weiß, kunststoffbeschichte, wie ein heutiges Krankenhaus zu sein hat, und man merkt gar nichts von der historischen Fassade. Als ich das Haus wieder verließ, öffnete sich die Tür automatisch mit einem modernen Summton. Doch beim Schließen erklang dieses grobe Knarren und Quietschen, und als ich auf die Straße trat, hätte es mich nicht gewundert, wenn mich ein buckliger Diener mit schwankender Laterne in eine wartende Droschke gewiesen hätte, um mich nach Hause zu fahren.

Weingläser. Bei einem Freund tranken wir Rotwein aus den guten Gläsern, die groß sind und rund und oben weit geöffnet, und als wir anstießen, stand der Glockenklang wie eine weit geöffnete Schwebefläche im Raum. Wir hielten uns jeder das Glas ans Ohr und lauschten dem Nachklang, einem dünner werdenden Rinnsal des gläsernen Glockentons, und als es verklungen war, stießen wir noch einmal an. Und noch mal. Und noch mal.

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