Sounds der Woche (47)

Kamin. Im Kamin wird das Feuer angezündet. Die Flammen züngeln vom Papier über die kleinen Zweige bis an das große Holzscheit; es fiept von der Feuchtigkeit im Holz, es knistert und knackt. Wenn die Luft durch den Schornstein abgesogen wird, ist ein leichtes Ziehen zu hören, eine akustische Rauchfahne, die über dem Feuer steht und hörbar macht, dass es hier auf friedliche Art und Weise brennt.

Standuhr. Im Wohnzimmer steht direkt gegenüber der Tür die alte hölzerne Standuhr. Sie tickt regelmäßig und mechanisch. Das Ticken kommt irgendwo aus dem Inneren des oberen Uhrkastens, da, wo das lange Pendel befestigt ist. Hinter dem Zifferblatt ahnt man die Zahnräder, die ineinander greifen. Zeit messen, so wird hier deutlich, ist etwas Räumliches. Irgendein Urahn, dem die vielen Schläge der Uhr auf die Nerven gingen, hat einmal an einem Rädchen im Innern gedreht, seitdem schlägt sie nur noch jeweils einmal um halb und um voll. Irgendwo im Innern hängt ein Faden mit einer hölzernen Kugel unten dran, an dem man ziehen kann, und mit metallischem Schnarren und Keuchen wird die Gong-Maschinerie angeworfen. Die Uhr schlägt dann sehr oft hintereinander, als müsse sie all die aufgestauten Stundenschläge aufholen. Die Gongschläge sind dunkel, rund und regelmäßig, und trotzdem kommt mir das vor wie ein Hustenanfall, der die alte, geerbte Standuhr schüttelt.

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