Sounds der Woche (55)

Ente. Die Stille, die Lichter, Häuser gespiegelt im Wasser der Spree. Betonfluss, Linien und Spiegelformen. Eine Kante, ein Dreieck in schwarz. Unruhe in der Mauer, Geländer und Blöcke und Efeuranken. Die Fußgängerbrücke wie ein Zug auf dem Wasser, beleuchtete Fenster: alles über Kopf. Ein Schwan schwimmt ruhig durch das Dunkel und alles löst sich in Wellen auf: der Schwan als Störsignal. Im Nachtgrau darüber fliegt eine Ente, ihr Quaken klingt seltsam auf dem Rauschen der Stadt. Ihre Flügel, die Flügel klingeln silbern und hoch über allem, singen vom Fliegen, vom Fliehen. Schon ist sie vorbei, auch der Schwan, weggezittert die Wellen, und das Dreieck, die Lichter, die Linien, alles liegt wieder glatt und klar.

Husten. An der Bushaltestelle stand dieser Mann im Trenchcoat, das Haar fettig, um den Hals einen beigefarben-karierten Schal. Bei seinem Anblick dachte ich an Derrick, die Achtziger und Wohnungen im Wedding, mit grünlichgrauen Badezimmerkacheln. Er hatte eine ungesunde Gesichtsfarbe und rauchte, und als endlich der Bus kam, ließ er ein Röhren hören, das aus den Urgründen seiner Lunge kam. Das klang wie ein Tier, ein Brunftschrei oder Sterbegesang, und erschreckt sah ich zu ihm hinüber. Als sei nichts gewesen, stieg er in den Bus ein, und es dämmerte mir, das war für ihn ganz normal, nichts weiter als sein sorgsam gepflegter Raucherhusten.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Sounds der Woche (55)

  1. Simona

    brrrr… und schüttel.

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