Sounds der Woche (58)

Autobahn. Die Straße teilt die Landschaft in zwei Hälften. Dazwischen werden wie auf einer Schnur die Autos entlanggezogen: große und kleinere bunte Kästen, die sich durch die Felder bewegen. Das könnte etwas Beschauliches, gar Beruhigendes haben, wäre da nicht der Lärm, der von diesem Auto-Förderband ausgeht. In der flachen Landschaft gibt es kein Entrinnen, kein Versteck, keine Ruhezone. Wir nehmen die Fußgängerbrücke über diesen lärmenden Fluss. Unter uns strömen die Fahrzeuge. Ein seltsames Gefühl ist das, wenn ein Lkw direkt unter den Füßen entlangfährt – auf der Brücke stehen und surfen auf der weißen Fläche der Lkw-Plane. Für einen Moment hebelt das die Relationen aus und lässt mich schwindeln. Als wir wieder zu Hause sind, bin ich froh, dass dieser nicht stillzustellende Lärm sich wenigstens von den doppelten Scheiben ausschließen lässt.

Nachtigall II. Wir stehen auf dem Dach oben am Türmchen, unter uns der Park, von Ferne zu sehen die Lichtglocke der Großstadt und irgendwo im Grau die Lichter, das Rauschen der Straße. Unten in einem Gebüsch sitzt eine Nachtigall. Der kleine Vogel schreit und schlägt und wirft Wellen aus in die Nachtlandschaft. Wir auf unserem Turm lassen uns tiefer und tiefer hineinsinken in diese Melancholie, diese Wolken, das Schwarz.

Klavier. Im hell erleuchteten Saal haben wir gesessen und den Wein ausgetrunken und wähnten uns ganz allein im Schloss. Doch von unten aus dem Keller klangen diese Töne, gedämpfte musikalische Schwaden, ein Barpiano. Unsere leeren Gläser in der Hand stiegen wir die Treppen hinab, und wirklich, im Keller eine Bar, darin mit Bierflaschen ein paar Menschen, und der Pianist, über die Tasten gebeugt, versunken, spielt französische klingende Harmonien, Debussy vielleicht. Wir stellen unsere Gläser auf der Bar ab und sagen ein paar Worte, doch die bleiben so verlegen und quer im Raum stehen wie wir. Dumpf und verlangsamt dreht man uns die Köpfe zu, das fühlt sich feindselig an, und wir drehen uns schnell, ziehen uns zurück, bevor die Stimmung richtig umschlägt. Die Treppen hinauf folgt uns schleichend der Klang des Klaviers, und wir erschauern leicht, auch wenn wir zum Abschied noch Witze reißen über these zombies down there in the basement.

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