Schreiben: Widerstände, Denkarbeit, Haltung.

Gerade habe ich angefangen, ein Handbuch für Radiojournalismus zu lesen. Darin stieß ich auf dieses Zitat von Kurt Tucholsky:

Man kann gewiss nicht alles simpel sagen, aber man kann es einfach sagen. Und tut man das nicht, so ist das ein Zeichen, dass die Denkarbeit noch nicht beendet ist.“

Darauf stößt man häufig beim Redigieren eines Textes: die Dinge sind nicht richtig zu Ende gedacht. Eine typische Situation ist die, dass man vor einem fürchterlich komplizierten Satz da sitzt, und ein Gegenüber fragt: Was wolltest du denn damit sagen? Man windet sich in seinen Erklärungen, im einerseits, aber andererseits – und das Gegenüber entgegnet darauf: Warum schreibst du das dann nicht einfach hin?

Ja. Einfach. Das „Einfach hinschreiben“ ist ja leider der schwierigste Teil des Schreibprozesses.

Ich tue mich oft schwer mit dem Anfangen, hadere lange Zeit mit einem Text oder einem Thema und komme nicht richtig in die Gänge. Dummerweise vergesse ich dabei immer wieder, dass diese scheinbaren Pausen und Phasen der inneren Kämpfe, während derer man aber nichts aufs Papier bringt, trotzdem zum Schreibprozess dazu gehören. Ich geißele mich zu sehr dafür, mit dem Text nicht voran zu kommen, und merke nicht, dass der Kampf mit den Widerständen Teil der Denkarbeit ist. Im Hin- und Herschieben des Gegenstandes rücken sich die einzelnen Teile zurecht, auch im Verhältnis zu mir: ich entwickele eine Haltung zu dem, worüber ich schreiben soll oder will.

Solange ich meine Position nicht gefunden habe, stelle ich mich dumm an beim Schreiben. Das, was ich zustande bringe, gefällt mir nicht, es hört sich falsch an, manchmal viel zu kompliziert, manchmal aber auch zu einfach, zu oberflächlich, zu blöd. Ist die Denkarbeit abgeschlossen, findet sich die Form wie von allein – ich stimme überein mit meinem Text, und der Text sagt, was ich sagen will, und auf einmal geht das, das „einfach hinschreiben“.

Das Geißeln ist manchmal trotzdem notwendig, und zwar dafür, dass ich mich wirklich hinsetze, diesen Prozess durchstehe und mich nicht aus Bequemlichkeit überhaupt nicht richtig mit der Thematik auseinandersetze. Darin liegt für mich immer wieder eine große Schwierigekeit: zwischen Vermeidungsstrategie und geistiger Bequemlichkeit auf der einen und notwendiger, scheinbar untätiger Bearbeitungszeit auf der anderen Seite zu unterscheiden. Wahrscheinlich wird das mit fortschreitender Praxiserfahrung einfacher, darin das richtige Maß zu finden. Auch hier liegt das ja an einer Haltung, die man sich selbst gegenüber einnimmt. Meine ich, mich über die Maßen antreiben zu müssen? Oder vertraue ich auf den mir innewohnenden intuitiven Arbeitsprozess?

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