Sounds der Woche (60)

Fliege. In den Doppelfenstern liegt das Plastikgefäss mit diesem Stück Material, das nach Spanplatte aussieht, aber auf dem schwarzen Plastik steht: POISON. Drumherum verstreut liegen schwarz auf dem weißen Lack die Fliegenkadaver; Schriftzeichen, die mit trockenem Knispeln auf den Boden fallen, als ich die Fenster öffne. Eine Fliege, orientierungslos taumelnd, summt auf dem Holzboden entlang, unfähig sich zu erheben. Noch voller Lebenswillen zieht sie Kreise auf den Dielen. Es lässt sich kein Sinn darin erkennen, keine Richtung in dieser letzten Kraftanstrengung, diesen Bögen: Fliegen-S.O.S. Dann hört es auf. Fängt wieder an, doch nur kurz. Summen. Zucken. Sterben. Dieses neue schwarze Zeichen auf dem Holz kann ich nicht entziffern, doch ich fürchte, es bedeutet: POISON.

Frösche. Im Park liegt verwunschen hinter einer Kurve der Teich, das Wasser bedeckt von Algen und Entengrütze. In den offenen Flächen spiegelt sich die Dämmerung, von der sich das Knattern der Frösche absetzt, das unregelmäßig an- und wieder abschwillt. Es müssen sehr viele sein, die da so seltsam singen, in Wellen, miteinander, aufeinander, in schmerzlich unerfüllbarem Sehnen, und umso erstaunlicher ist es, dass das einfach aufhört, sobald eine andere Jahreszeit anbricht.

Mücken. Am Ohr, um die Nase herum, ein Pieken am Bein, ich schlage mich selbst, ich schlage dich, aber nur in bester Absicht, Verzeihung. Die Hand auf dem Körper klingt dumpf, jetzt ist da ein winziger grauer Knäuel auf deinem T-Shirt, ich klatsche mir selbst an die Stirn, die Jagdlust steigt mir zu Kopf, was war das, das war nichts, das war nur, sirr, wieder eine, und wieder eine, ha, sirren und klatschen, jawoll, ich habe noch eine erlegt.

Einkaufswagen. Die Rollen rumpeln über den Parkplatzbelag, der Wagen scheppert, die Flaschen klingen aneinander, rumpeln und scheppern und klingen, rumpeln und scheppern und klingen, dass man sein eigenes Wort nicht versteht.

Flaschenautomat. Ich lege die Plastikflasche in die Öffnung, den Flaschenboden zuerst. Die Maschine dreht sie herum, prüft, was ich diesmal mitgebracht und ihr zum Fraß in den Rachen gesteckt habe. Es scheint ihr gut, mit der Förderzunge schiebt sie es sich in den Schlund. Knuspernd und knackend zermalmt sie das Plastik, reißt weiter das Maul auf, aber ich habe nicht noch mehr mitgebracht. Die Maschine rülpst den Pfandbon aus, 1,75 € krieg ich fürs Füttern, das ist besser als im Streichelzoo, wo man fürs Futter bezahlen muss.

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