Sounds der Woche (61)

Holzkleiderbügel. An der Garderobenstange hängen in einer langen Reihe die Kleiderbügel aus Holz. Ich berühre sie leicht und sie schaukeln gegeneinander. Die Töne klingen sanft und fein und erinnern mich an ein Xylophon. Ich gebe ihnen einen Schubs, und ich höre zu, wie mein Impuls weiter und weiter verklingt. Noch lauter, noch schneller, noch länger sollen sie klingen, finde ich, und ich gebe den Bügeln weitere, stärkere Schläge, so dass sie tanzen und klingen wie Gerippe am Tag des Jüngsten Gerichts. Das reicht mir nicht, ich will noch mehr, noch mehr! Bis mit lautem Geschepper die Bügel zu Boden fallen. Wie erstarrt stehe ich in den Nachhall hinein, wie ertappt dabei, dass ich im Spiel keine Grenzen kannte.

Parkett. Den Kopfhörer auf den Ohren, das Mikrofon in der Hand und das Aufnahmegerät unterm Arm, so schleiche ich die Treppe hinunter, auf der Suche nach den Geräuschen von Schloss Genshagen. Durch die Kopfhörer klingt alles vergrößert und deutlich, wie durch ein akustisches Mikroskop. Als ich ins Kaminzimmer komme, zucke ich zusammen. Da knackt etwas, direkt hinter mir! Dabei bin ich ganz allein im Haus – so sollte es zumindest sein. Da, noch mal, diesmal von der anderen Seite! Der Schreck hat sich unter meinem Herzen zusammengezogen, klammert sich in meinem Brustkorb fest und lauscht in die leeren Räume hinein. Es dauert ein Weilchen, bis ich ihn überzeugen kann, dass da nichts war – nichts als meine eigenen, grotesk vergrößerten Schritte auf dem alten, knarrenden Parkett.

 

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