Sounds der Woche (67)

Flöten. Wir schlendern durch die Altstadt von Schaffhausen, gehen gerade die enge Steintreppe vom alten Turm Munot herunter, als das Geräusch sich in unsere Ohren bohrt. durcheinander, ein Gepiepse und Gekreische und Gefiepe, dass wir uns fragen, ob hier wohl grade demonstriert wird, und wogegen, obwohl es gar nicht nach Trillerpfeifen klingt, sondern irgendwie anders… Vor uns öffnet sich die Treppe zu einer Seitenstraße der Fußgängerzone hin, der Strom der Passanten zieht an uns vorüber, das Fiepen wird lauter – und tatsächlich, nein, es ist keine Demonstration, es ist eine Kindergruppe. Jedes Kind hat einen Flötenkopf in der Hand und pustet hinein, unentwegt, es fühlt sich an wie: seit Stunden schon. Wir reihen uns ein in das Flöten-Wellen-Fiep-Konzert, mittendrin sein, das hat einen abseitigen Reiz, die hohen Töne in den Ohren, von allen Seiten, chaotisch und unerwartet und ungeführt. Die Betreuungspersonen begleiten die Kinder ganz ungerührt, die Gruppe teilt sich, ein paar nach rechts, ein paar in die kleine Straße hinein. Die Masse zerfasert, das Geräusch dünnt sich aus, und noch immer sitzen wir da mit der Frage, wie das wohl gekommen ist und wer da warum all die Kinder mit Flötenköpfen ausgestattet hat.

Kirche. Aus der sommerlichen Schwüle treten wir in eine Kirche ein, das Kirchenschiff kühl und in der Mitte die Bänke. Da sitzen wir, schauen auf den Altar, im Rücken die Orgelpfeifen, und außer uns ist da kein Mensch weit und breit. Den Blick auf die Schrift an der Decke – „Der Himmel ist unsere Hoffnung“ – halten wir den Atem an und lauschen beklommen in diese Leere, die Stille, das Nichts.

Katze. Das erste Geräusch am Morgen ist immer die Katze. Die Katze, die maunzt und quengelt und schreit, man solle ihr Essen geben. Das zweite Geräusch, wenn ich aufstehe, ist die Kaffeemaschine, die aufwacht, sich streckt, Kaffeebohnen mahlt und einen Testlauf aus Heißwasser in die breitstehende Tasse entlässt. Die Katze vor mir hört nicht auf mit dem Jammern: „Nun los doch, beachte mich!“ Sie schwarwenzelt um meine Beine, erwartet, dass ich mich zu ihrem Napf aufmache, die metallene Futterdose in der Hand. Dass mir der Kaffee zunächst wichtiger ist, das sieht sie nicht ein, und schließlich gibt sie mir eins mit der Pfote eins aufs Bein, so dass sich mein entrüstetes „AU!“ mit ihren Geräuschen mischt. Das Futter im Napf, die Katze darüber, für einen Moment heißt das Stille. Irgendwann am Tag, das weiß ich schon jetzt, werde ich aufhorchen, wenn ihr „MAU!“ und „MIAU!“, das klingt wie ein Kind, wieder die Leere des Hauses füllt.

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