Sounds der Woche (72)

Lachen. Aus der Tür an der S-Bahn kommt ein Mann, der, das Handy am Ohr, laut und albern lacht. Nur ganz kurz, dann bespricht er schon wieder ernst, wie das mit dem Treffen vor sich gehen soll. Das Gelächter des Mannes, nichts als ein Fetzen, bleibt in mir hängen, wird größer und größer in meinem Kopf, ausgeschnitten aus dieser Morgenstimmung am S-Bahnhof, überdimensioniert, grotesk, verzerrt- und dabei bin ich mir jetzt schon nicht mehr sicher: habe ich das gehört? Oder hat es das nie gegeben?

 

Hund. Aus einer Reisetasche kommt das Geräusch eines Hundes, erst ein Winseln, dann ein knurrender Laut. „Frollein!“ sagt die Hunde- und Taschenbesitzerin, „benimm dich!“ Und ich würde mir wünschen, die Hündin in der Tasche könnte noch lauter und lauter ihrem Unbehagen Ausdruck verleihen – die Tasche würde sich blähen und explodieren von der Wucht des Geräuschs, und etwas im Verhältnis zwischen Tier und Mensch würde mal wieder fundamental gerade gerückt.Stattdessen höre ich das künstliche Zirpen von Grillen aus dem Smartphone der Frau, das anzeigt, dass sie eine SMS bekommen hat, und als ich das nächste Mal hinschaue, ist die Hündin eingeschlafen, den Kopf ganz flach auf dem Taschenrand.

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