Sounds der Woche (73)

Bratkartoffeln. Wir treten in das schmale Häuschen ein, hinter der Theke ist niemand, nur auf dem Gasherd steht eine Pfanne mit Bratkartoffeln. Zischen und Brutzeln und der Geruch nach Bratfett füllen den Raum. Während wir darauf warten, dass der Koch wieder hereintritt und uns Kaffee verkauft, schauen wir auf die blauen Flammen, die Pfanne, darauf, wie das Feuer vom Gas auf die Pfanne übergreift und sich das Zischeln und Knistern um die Kartoffeln verstärkt. Und obwohl uns sehr nach Kaffee dürstet, sind wir froh, dass der Mann, als er endlich aus dem Hinterzimmer hervorkommt, zuerst den Pfannenstiel in die Hand nimmt und das Feuer im Fett durch langsame Hin-und Herbewegungen löscht.

Kühllaster. Unsere Kaffeetassen stehen auf dem Biertisch auf dem Platz hinter der Imbissbude, mitten im brandenburgischen Kaff, im Sand, im Nirgendwo. Davor auf der Straße das weiße Rechteck eines Lastwagens mit laufendem Motor. Das Summen und Brummen untermalt unsere Pause, so dass wir gar nicht erst zu sprechen anfangen und wir trotzdem nicht zur Ruhe kommen. Vom Kaffee und Lärm hochgebürstet setzen wir unsere Fahrt fort, in den Sand, ins Nirgendwo und in die ländliche Stille.

Mähdrescher. Am Wegesrand steht der Mähdrescher, der schon das halbe Feld abgemäht hat, und entlässt einen Schwall Staub und Körner in den Wagen am Wegesrand. Die Mechanik dahinter quietscht und faucht, quietscht und faucht, quietscht und faucht und summt – ein technisches Erntelied, ein staubiger Erntetanz.

Güterzug II. Wir fahren mit dem Fahrrad über eine Brücke, unter uns die Schienen, die sich schnurgerade durch die Landschaft ziehen. Darauf schiebt sich ein Containerzug vorwärts, der lärmt und dröhnt und den Boden vibrieren lässt. Vor und hinter den Schienen ist das nordische Weidegrün, der blaue Himmel, eine Klarheit von oben und unten. Der Zug zieht eine Schneise hindurch mit den bunten Containerwürfeln, schneidet und schreit und teilt in ein Davor und Danach. Über den Wiesen liegt ein Schleier aus Lärmresten, und es ist unvorstellbar, dass das keine Spuren darin hinterlässt, das sich nicht die Geräuschpartikel überall ablagern und alles einfärben mit einem industriellen, klebrigen Grau.

 

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