Sounds der Woche (74)

Meer. Hinterm Deich merke ich noch gar nichts davon bis auf den leichten Geruch nach Tang und Salz, der in der Luft liegt, und dass mich das Möwengekreisch, das von irgendwoher kommt, schon an Segelschiffe und Bootsplanken denken lässt. Ich gehe den schrägen Weg hinauf und das Rauschen dringt in die Ohren, die Weite, die Wellen. Am Strand klimpern die Wellen leicht, hoch und fein. In den Steinhöhlen der Uferbefestigungsanlagen gluckst und schmatzt das Wasser wie ein urzeitliches Ungeheuer. Meer und Möwen und Sand. Immer wieder aufs Neue erstaunlich, dass das so schnell so ruhig und glücklich macht.

Kuckucksuhr. An einer Wand im Museum hängen fünf Kuckucksuhren, darauf projiziert: ein verschneiter Wald, Rehe. Ein Ticken und Schnarren macht sich breit, und gespannt schaue ich auf die Uhrenhäuschen. Die Zeiger bewegen sich langsam zur vollen Stunde – noch fünf Minuten. Die Gewichte an der Uhr sind geformt wie Tannenzapfen, geschnitztes Blattwerk ziert den hölzernen Kasten. Mir fällt auf, dass ich noch nie gesehen habe, wie ein Kuckuck aus einer solchen Uhr kommt. Plötzlich bin ich sehr neugierig und will unbedingt wissen, wie das Vögelchen aussehen wird. Der Zeiger steht auf voll, ich höre: „Kuckuck!“, aber aus dem Türchen kommt kein Vogel herausgeschnellt, auch kein Boxerhandschuh oder Jack-in-the-Box. Das Geräusch kam von hinten, eingespielt, künstlich. Ich werde noch sehr lange darauf warten müssen, bis ich einmal sehe, wie ein Kuckuck aus einer Kuckucksuhr kommt.

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