Sounds der Woche (81)

Wasserfarben. Auf dem Tisch stehen die Plastikgefässe mit den Wasserfarben. Die Kinder rühren mit den Pinseln darin herum, mit zu wenig Wasser, mit zu viel. Sehr dunkle Farben kommen aufs Papier, sehr helle, wässrige Flecken. Kunststoff schabt in Kreisen über die Tischplatte, eine unangenehme Reibung, ganz gleich ob zu wenig Wasser oder zu viel, das Geräusch, das ist immer zu viel.

Glocke. Auf dem Friedhof steht der Glockenturm, wild in Bewegung schwingt die Glocke, daran das Seil, wild in Bewegung, während wir dem Sarg folgen, die Glocke  laut und fast schrill. Der Sarg sinkt ins Grab, darauf die Blumen, die Erde, der Sand. Alles fällt schwer. Ausgeklungen die Glocke, das Seil in Ruhe, die Blicke, die Schritte, alles fällt weiter schwer.

Brüllen. Der Mann pumpt seinen Brustkorb auf, die Schultern hochgereckt, den Hals etwas vorgereckt, am Nacken die Sehnen, die Adern schwellen, er brüllt. Seine Wut zieht eine zweite, dunkle, viel zu niedrige Decke im Raum ein, wir alle sind wie zerschnitten davon. Wir geraten in schwarze Schwingungen, wir verziehen die Stirn und wir fühlen, wie in uns das Blut hochkocht. Der Mund, die Zunge, die Zähne, die Stimme, der Mann schlägt alles in unsere Ohren und Köpfe hinein, und als er längst still und gegangen ist, bleibt das Zittern in uns, unter der Haut.

 

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