Sounds der Woche (82)

Schellentraube. Der Schlagzeuger greift hinter sich und holt eine Traube voller Glöckchen hervor: rhythmisches Geklingel, stotternde Schlittenschellen, Schritte im Glöckchengras. Er wirft die Traube mit der einen Hand hoch und fängt sie wieder auf, bestimmt diesen scheppernden Klang, diesen Haufen Glöckchen, die doch so unkontrollierbar scheinen. Alles wird leiser und mündet bei einer einzelnen Glocke, ganz dünn, ganz hoch, ganz allein. Fast ohne Geräusch legt der Schlagzeuger die Glöckchentraube wieder hinter sich, ganz laut folgen die Drums, die Sticks, die Schläge. Irgendwo hinter uns liegt diese Insel, unsere Schritte noch immer im Glöckchengras.

Lampenschirm II. Ich sitze allein am Tisch hinter dem großen Lampenschirm, unter seinem Rand kann ich die Runde aus meinen Freunden sehen. Ich sitze abseits und schreibe und denke, schaue nur manchmal auf zu den anderen, zu ihrem Gelächter, und weiß nicht, ob sie mich überhaupt gesehen haben. Einer gibt dem Schirm einen Schubs, dass er hin und her wackelt. Der Fuß schwankt, das Licht schwankt, die Farben und das raue Schwingen des Lampenstoffs, all das ist ein Zeichen für mich. Ich lächele an dem Schirmrand vorbei zu den anderen hinüber und weiß, ich bin zwar hier abseits, aber ich bin nicht allein.

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