Sounds der Woche (85)

Gesprächswellen. Von der kahlen Fensterfront, den Wänden, dem Boden wird der Schall reflektiert: Gespräche. In zwei Gruppen sitzen Frauen im Raum, jeweils in großer Runde, die scherzen und lachen, sich unterhalten, beraten, massieren. Das Licht: grell. Der Ton: grell. Die Sprachen sind fremd, in Wellen trifft mich die Gesprächsbrandung, lauter,  abebbend, plötzlich ein Loch, eine Stille, ein raues Gelächter, und schon knallt die nächste Welle gegen meine Stirn wie eine grelle Wand.

Wildschweine. In einer Senke im Wald ist ihre Suhle: graubrauner Schlamm mit Blubberbläschen drin. Eine Schweinefamilie steht darin bis zum Bauch. Die Tiere grunzen und quieken und heben ihre für den rundlichen Körper so dünnen Beine ab und zu mit schmatzendem Geräusch aus dem Sumpf. Ein Schwein sucht mit der Schnauze in der grauen Masse nach Futter, nimmt ein Maul voller Dreck nach dem anderen, kaut zufrieden.
Fasziniert schauen wir von einem kleinen Balkon aus auf diese Szene herab. Dass wir nicht gerne im Dreck nach unserem Essen wühlen würden, denken wir, und stellen uns vor, wie der Sand zwischen unseren Zähnen knirscht. Wie sich das anfühlen würde, den Bauch im kalten Schlamm, und dass wir lieber eine warme Badewanne hätten, mit Schaumbad. Wir betrachten die Schweine, wie sie so selbstvergessen im Dreck wühlen, und obwohl wir uns im Kontrast so bewusst, erhaben und reinlich fühlen, wühlt irgendwo in uns ein wildes Gefühl von Neid.

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