Martin Becker: Der Rest der Nacht

Auf der Buchmesse habe ich Martin Becker bei einer Lesung gesehen. Da las er aus seinem Roman „Der Rest der Nacht“ – und ich war fasziniert. Vom Sprachrhythmus, von der Genauigkeit der Beobachtung, und von der Melancholie, die in der Beschreibung einer Ameisenstraße liegen kann. Das gefällt mir nämlich immer – wenn Alltägliches so beschrieben wird, dass die saugende Schwere der Vergänglichkeit dahinter spürbar wird, und wenn die Figuren etwas festhalten wollen, aber das Leben sich unaufhaltsam aufspaltet in ein Davor und ein Danach… Kurzum: nach der Veranstaltung wollte ich das Buch unbedingt ganz lesen.

 

Eine kleine Trübung ist ja dann immer etwas, wofür das Buch selbst gar nichts kann: Liest man das Buch dann ganz, sind einem die Abschnitte, die der Autor als Teaser vorgelesen hat, schon bekannt. Das, was beim ersten Hören frisch und neu war, kann also gar nicht die eigentliche, die erste Wirkung entfalten. Vielleicht liegt es daran, dass mir Beckers Buch so seltsam durchmischt vorkam.

Ein Ich-Erzähler muss das Haus seines Vaters ausräumen. Er ist in die Stadt seiner Eltern zurückgekehrt, nur um ein paar Dinge zu regeln, aber danach will er sofort wieder weg. In dieser Zwischensituation begegnet er anderen Menschen, die ihn in diesem Dazwischen verharren lassen.

Eine andere Erzählperspektive stellt uns den jungen Mann vor. Eben noch wollte er gemütlich mit einem Mädchen ins Kino gehen, dann trifft ihn die Nachricht, sein Vater sei gestorben. Auch hier geht es darum, wen der junge Mann daraufhin trifft, was er tut, und was sich für ihn verändert.

 

Der Roman entwirft einen Teppich aus verschiedenen Situationen und Bildern, die mal rätselhaft, mal kafkaesk und absurd, mal traurig und mal alltäglich-fröhlich sind und mal voller Liebe und Intensität. So geworfen ins Leben wie der Ich-Erzähler und der junge Mann, so ist man auch als Leser. Und so wechselhaft wie das Leben selbst fühlt sich dann auch die Lektüre an. Es bleibt ein Nachhall, ein Abdruck, ein Puzzlegefühl, der Eindruck von einem Rätsel.

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