Svenja Leiber: Das letzte Land

„Das letzte Land“ erzählt die Geschichte des Geigers Ruven Preuk und seiner Familie über zwei Weltkriege hinweg und bis in die 50er Jahre hinein. Der Roman spielt zum großen Teil auf dem Dorf in Norddeutschland. Fahrende Musiker ziehen vorbei – und so kommt Ruven an seine Geige, obwohl sein Vater, der einen kleinen Hof hat und Wagen baut, der musikalischen Karriere misstrauisch gegenüber steht. Schrittchen für Schrittchen geht Ruven seinen musikalischen Weg, obwohl das 20. Jahrhundert ihm und seiner Familie so manchen Stein in die Quere legt. Die kleine Dorfwelt, die Svenja Leiber mit Witz und nordischer Bärbeißigkeit vor einem ausbreitet, bleibt von den Zeitläuften nicht verschont. Einige Familienmitglieder und Weggefährten bleiben im Krieg oder fallen den politischen Umständen zum Opfer. Besonders die Frauen sind es, deren Geschichten und Schicksale Svenja Leiber in den Fokus nimmt.

Svenja Leibers Sprache ist sehr klar und einfach, und sehr viel wird zwischen den Worten, den Zeilen, in den Aussparungen gesagt. Zugleich hat sie einen ganz eigenen Rhythmus, der fort und fort fließt und im Kopf weiter rollt, auch wenn man das Buch schon weggelegt hat. Gewebt wie der Flickenteppich der Landschaft, in der der Roman spielt, klingend wie die Musik, von der so oft die Rede ist, und mit einem Sog wie die historischen Gegebenheiten, die sich so unerbittlich weiter entwickeln und die Menschen mit sich ziehen.

Die Figuren mit ihren Alltäglichkeiten, Nöten, Wünschen und Sehnsüchten rücken einem sehr nah, und damit auch die Wehmut über all die verpassten Gelegenheiten, die nicht ausgelebten Träume, und darüber, dass das Leben so plötzlich und halb noch unvollendet zu Ende gehen kann.

Ein bisschen seltsam ist es, dass Ruven Preuk gen Ende irgendwie völlig aus dem Blick gerät, und auch, dass alles zum Schluss mit so einer mystisch-kriminalistischen Plot-Schleife zusammengezwungen wird, die gar nicht zum filigran und voller Fingerspitzengefühl erzählten Rest passen will. Dem intensiven Leseerlebnis insgesamt tut das jedoch keinen Abbruch.

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Eine Antwort zu “Svenja Leiber: Das letzte Land

  1. Pingback: Buchtitelgedicht I | frintze

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