Oh nein! Der Schrecken der Langeweile.

Ich weiß nicht – ist es Reizüberflutung?  Ist es die allgemeine Décadence? Eine Alterserscheinung? Ist es etwa ganz normal?

Dieser Tage ist es mir das erste Mal passiert, dass ich ein Buch von eigentlich guter Qualität zur Hand genommen habe, doch die Lektüre hat mich so gelangweilt, dass ich es nach ein paar Seiten weglegen musste. Eben, wie gesagt, nicht deshalb, weil das Buch schlecht war, schlecht gemacht, oder weil das Thema mich nicht interessiert hätte – einfach nur, weil mir alles so bekannt vorkam, so als sei es einmal mehr dasselbe Muster, als gäbe es keine neue Geschichte, keine Überraschung mehr. Eigentlich ist das eine Haltung, die ich zutiefst ablehne – einer Sache keine Chance geben, keine Neugier mehr übrig haben, nicht mehr offen sein. Und plötzlich finde ich genau das bei mir.

Das war ein Schreck. So ein Gefühl von Lebens-Ekel und Langeweile, und die plötzliche Vorstellung: ich werde nie wieder lesen können.

 

Dass es keine wahnsinnig neuen Geschichten gibt, ist ja klar. Und dann ist es der Stil oder die Art zu erzählen, oder die Lust am Lesen überhaupt, die allgemeine Neugier, die vorübergehende Weltflucht – die einen normalerweise trotzdem dran bleiben lässt. Normalerweise. Diesmal: dieser Lese-Ekel.

Zum Glück war es vorübergehend, und ein Buch zum Kopf anstrengen hat mich danach auch erst mal gerettet und überzeugt: es ist nicht alles bekannt. Aber es kam mir vor wie eine Warnung. Eine Warnung davor, mich übermäßig und viel zu schnell mit Büchern vollzustopfen, bis sie mir an den Ohren wieder rauskommen. Ich merke, ich muss langsamer sein. Und ich hoffe inständig, dass es noch sehr lange dauert, bis ich wirklich so übersättigt, abgefrühstückt, überfüllt bin, dass ich nicht mehr lesen will und dass nichts mehr mich retten kann.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Nachrichten vom Schreibtisch, Philosophischer Wetterbericht

2 Antworten zu “Oh nein! Der Schrecken der Langeweile.

  1. Kommt vor, in meinem Fall zumindest bei Pflichtlektüren, die ich wirklich fix aus unterschiedlichen Gründen weglesen muss. Ansonsten spielt natürlich auch immer die Stimmung mit, was ausschlaggebend für solche Schwankungen sein kann. Mittlerweile versuche ich gleich mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen und dieses Prinzip funktioniert. Ergo, kann ich mich gerade mit einem guten Werk irgendwie nicht anfreunden, wird es zwischenzeitlich ausgewechselt und zum passenderen Zeitpunkt (in den nächsten Tagen) wieder zur Hand genommen, damit fahre ich bisher eigentlich recht ordentlich. Aber das würde ja am Ende auch nur mit deinem Einwurf (langsamer lesen zu müssen) kollidieren. 🙂

    • Naja. Ist wahrscheinlich sowas Phasenartiges. Parallel lesen – das mache ich auch oft. Wahrscheinlich ist das grad so ein komischer Zustand der Übersättigung – ein bisschen zu viel von allem. Ich glaube, dann ist wirklich erst mal WENIGER und LANGSAMER lesen die Strategie. Und wieder mehr in der Realität sein als in der virtuellen Bücherwelt. Um dann möglicherweise, wenn der Winter kommt, umso mehr darin abzutauchen…

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