„Schmalzstulle.“ Eine internationale Begegnung

Auf dem Konzert steht plötzlich A. hinter mir, den ich bei den Ferienkursen in Darmstadt kennen gelernt habe. „Hey! Ms. K! Nice to see you again!“ Und auch ich freue mich, den Komponisten aus Israel wiederzusehen. Und das hier, auf irgendeinem dieser Konzerte beim Ultraschall-Festival, mitten in Berlin.

Vor zwei Jahren etwa hatte ich ihn in der Stadt herumgeführt, an allem vorbei, was jemand so sehen muss, wenn er einen halben Tag in Berlin ist im Sommer. Erst lagen wir am Spreeufer herum, Weiterlesen

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Dalia Grinkevičiūtė: Aber der Himmel – grandios!

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich mich in der letzten Zeit gedanklich und literarisch im Baltikum rumgetrieben habe. So auch mit diesem Buch: „Aber der Himmel – grandios!“ von Dalia Grinkevičiūtė. 

Gerade erst vierzehn Jahre alt ist Dalia geworden, als sie und ihre Familie im Juni 1941 mitten in der Nacht verhaftet werden. Sie, ihre Mutter und ihr 17jähriger Bruder Jouzas werden in einen Waggon verladen, der Kaunas in Richtung Weiterlesen

Alexander Solschenizyn: Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch

Dafür wurde es mal Zeit: ich hatte noch gar kein Buch von Solschenizyn gelesen. Und dann stand ich in einer Diskussion mit jemandem da, der sagte, Solschenizyn sei ein von den Amis bezahlter Spitzel gewesen und das sei alles nur westliche Propaganda, und dabei hatte er gar keins von den Gulag-Büchern gelesen, und schon mit erhobenem Zeigefinger- fiel mir auf, dass ich Weiterlesen

Siegfried von Vegesack: Die baltische Tragödie

Das Buch mit dem halb zerrissenen Einband hatte ich irgendwo bei meinen Eltern aus dem Regal gezogen und war wegen des Wortes „baltisch“ daran hängen geblieben. Ich brauchte einen Moment um zu begreifen, dass das Baltische, um das es hier gehen sollte, in der Gegend des heutigen Lettland spielt, und dass die Balten hier aber deutsch sind.

Auf einem Gut im Norden wächst der kleine Aurel als drittes von vier Kindern eines deutschen Landadligen auf, wohlbehütet von seiner lettischen Amme. Es gibt Schwarzbrot und Schmant, Tanzbären und Elchjagden, Kutschfahrten und Picknickausflüge an den Fluß. Immer schon stößt der kleine „Jungherr“ jedoch an die gläserne Wand, die zwischen den lettischen Bediensteten und den deutschen „Herrschaften“ verläuft. Je älter er wird, desto mehr gewöhnt er sich allerdings daran, und es wird seltener, dass er aufgrund dieser Standesunterschiede Unbehagen empfindet.

Die Geschichte von Aurel und seiner Familie wird sehr stimmungsvoll erzählt. Die weitverzweigte Verwandtschaft Weiterlesen

Sigitas Parulskis: Drei Sekunden Himmel

Weil ich grad mal kurz in Litauen war, dachte ich, ich brauche die passende, in der richtigen Landschaft angesiedelte Ferienlektüre. Auf der Kurischen Nehrung im Sand liegen und über die Kurische Nehrung lesen, das hatte ich mir so hübsch ausgedacht. Dummerweise kam ich dann in Nida weder dazu, am Strand herumzuliegen, noch so sonderlich zum Lesen. Umso schöner, mit Hilfe der verspäteten Lektüre die Ferien noch ein wenig mit nach Hause zu holen.

Also: Strand. Robertas sitzt am Strand, starrt aufs Meer, sinniert, halluziniert. Robertas ist 40 Jahre alt, säuft viel, denkt an seine Zeit als Fallschirmjäger in der Sowjetarmee. Drei Sekunden Himmel, das sind die drei Sekunden, die  Weiterlesen