Ulrike Edschmid: Das Verschwinden des Philip S.

Der Rhythmus der Sprache, in der Ulrike Edschmid vom Verschwinden des Philip S. erzählt, scheint zu fließen. Und zugleich ist da immer etwas, was das Erzählen zurückhält.

Ein Spielort ist die Berliner Filmakademie – beschrieben werden Filme der 60er Jahre, einzelne Einstellungen, Szenen. So wie die Kamera zwar eine Perspektive einnimmt, aber Weiterlesen

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Tomas Venclova: Vilnius. Eine Stadt in Europa

Das ist seltsam. Tomas Venclova hat mit „Vilnius. Eine Stadt in Europa“ ein Stadtportrait geschrieben, ein Essay, eine historische Abhandlung. Und trotzdem habe ich es gebannt gelesen wie einen Roman.

Vilnius, heute die Hauptstadt Litauens, war immer ein Schmelztiegel von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen – Litauer, Weißrussen oder Ruthenen, Juden, Russen, Deutsche, Polen. Ein Sprachgemisch auf den Straßen, ein kulturelles Nebeneinander. Der erste Teil des Buches, der die Gründung der Stadt in Zeiten Weiterlesen

Lesen, Mode, Scholochow

Gerade mitten in „Der stille Don“ von Michail Scholochow, da geht es um Donkosaken um 1914 – zunächst um ihr arbeitsames Leben, das Säen, Fischen, Ernten, und um Liebesverwicklungen, dann um den Ausbruch des ersten Weltkriegs, wie die Kosakenmänner an der Front verheizt werden – Drahtverhaue, Schützengräben, Gas-Angriffe. Ich las von Kohlsuppe, Weiterlesen

Anna Seghers: Transit

Der Roman „Transit“ von Anna Seghers spielt im Frankreich des 2. Weltkriegs, insbesondere in Marseille, in der Zeit der großen Flüchtlingsströme. Der Nordteil Frankreichs war von den Deutschen besetzt, viele flohen in den Südteil in der Hoffnung, von Marseille auf einem Schiff Europa zu verlassen.

Die Hauptfigur, ein junger Mann, von dessen Vergangenheit nicht viel mehr bekannt wird als dass er in Rage einen SA-Mann geschlagen hat, im KZ gelandet ist und aus diesem geflohen ist, indem er über den Rhein schwamm, erzählt von seiner Zeit im Transit-Gebiet. Im frisch besetzten Paris gerät er durch Zufall an den Koffer eines Schriftstellers, der sich in seinem Hotelzimmer umgebracht hat. Er durchforstet diese Papiere und Weiterlesen

Jaroslav Rudiš: Grand Hotel

Fleischman heißt der Protagonist und Erzähler in „Grand Hotel“ von Jaroslav Rudiš. Fleischman ist ein Sonderling und Mädchen für alles in dem Grand Hotel, das über der Stadt Liberec auf einem Berg thront. Das Hotel gehört seinem Cousin Jegr, der ihn zu sich genommen hat, als seine Eltern bei einem Autounfall gestorben sind. Oder war es doch anders als Fleischman es immer seiner Frau Doktor erzählt? Weiterlesen