Sounds der Woche (89)

Auf der Brücke. Von Ferne sehe ich die Brücke, darauf der Trompeter, der seine Melodien melancholisch in den Morgen hinein wehen lässt. Die Stufen auf meiner Uferseite werden ausgebessert, Straßenarbeiter bearbeiten die hell klingenden Pflastersteine mit einem Hammer. In der Mitte über dem Fluß unterhalten sich zwei Frauen, beide haben kleine Hunde an der Leine, der eine zieht schon halb auf die andere Seite, der andere stellt sich mutig mir entgegen, frech und laut: „Wäff!“ Der langsam dahingleitende Zug von der anderen Uferseite, die melancholische Trompete, die Steine, die Hunde, meine eigenen Schritte auf der Brücke.

Alexanderplatz am Morgen. Von der U-Bahntreppe tauche ich auf den Platz, hinein in Menschenstimmen und Schritte. Straßenbahnen kreuzen sich, kreischen. Ein Wurstverkäufer spricht schnell und auf spanisch. Irgendwo dahinten brüllt jemand, ein Wütender, ein Verrückter. Kaum jemand sieht sich nach ihm um. Geschäftig und träge, so verschieben sich die Massen, und der Hall ihrer Schritte weht über den Platz.

 

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Christian Kracht: Faserland

Auf die Empfehlung eines Freundes habe ich mich darauf eingelassen, Christian Krachts „Faserland“ zu lesen. Das Buch war mir bislang nur als Vertreter der „Popliteratur“ aus einem Seminar bekannt, das ich irgendwann so 2002 besucht hatte, und ich erinnere mich an ein schlechtes Referat über das Buch, und alles, was mir im Gedächtnis geblieben war, war Sylt, der Bodensee, Bahnfahren, fürchterlich reich und fürchterlich betrunken sein und von einer Party zur anderen Fallen.

Die Handlung des Buches ist damit einigermaßen gut zusammgengefasst: Der Ich-Erzähler reist von der Fischbude im äußersten Winkel Deutschlands auf Sylt bis Weiterlesen