Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson

Und dann war es mal wieder Zeit für einen guten alten Klassiker, ich hatte Lust auf ein schönes Abenteuerbuch. Was lag also näher, als „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson zu lesen? Von Stevenson kannte ich bislang nur „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“, und dass das auch so ein Klassiker ist, muss man ja gar nicht erst erwähnen. In der Ausgabe von „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“, die ich gelesen hatte, gab es eine Passage über Stevenson, in der in Bezug auf die Entstehungsgeschichte der Schatzinsel die Anekdote zum Besten gegeben wird, der Autor habe gemeinsam mit seinen Kindern die Karte der Schatzinsel entworfen und ausgehend von dieser Zeichnung dann in einem Rutsch das Buch runtergeschrieben. Das hatte mich damals schon neugierig gemacht, und endlich begegnete mir das Buch in einem Buchladen, als ich gerade von der notwendigen Buch-Kauf-Schwäche befallen war.

Das ist ja eine sehr seltsame Sache mit der Lektüre dieser Büchern, die sich so sehr ins kulturelle Gedächtnis eingeschrieben haben. Da meint man doch, man kenne schon alles, und doch packen sie einen, wenn das Maß an Spannung stimmt, und natürlich kennt man ja eben nicht alles. Von Goethe war ich ja n bisschen enttäuscht, weil sehr viel z.B. in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ einem so seifenoper-artig vorkam.

In der „Schatzinsel“ entdeckt man auch alle Elemente, die man in einer  Piratengeschichte erwartet, man könnte also auch darüber enttäuscht sein. Es gibt einen alten Kapitän, eine Schatzkarte, einen jugendlichen Helden, eine einsame Insel… Im Vergleich zu „Pirates of the Caribbean“ fehlt nur noch der Fluch und die Liebesgeschichte, was aber wohl daran liegen mag, dass der Protagonist Jim Hawkins noch recht jung ist und Frauen (außer seiner Mutter) in seinem Leben noch keine Rolle spielen. Und insgesamt ist die Seefahrt ja nicht dafür bekannt, eine besonders frauenlastige Domäne zu sein – dementsprechend gibt es in dem Buch nur Hawkins Mutter und eine andere Wirtin, die, während er auf See ist, auf das Geld vom Bösewicht aufpasst.Enttäuscht war ich von diesen Klischees aber nicht, weil es nämlich immer wieder funktioniert. Mit den Augen von Jim Hawkins folgt man der Geschichte und sieht den Hafen, die Waren, das Schiff, die Taue, das Steuer und die gewisse Apfeltonne auf dem Segler, die noch eine entscheidende Rolle spielt, unmittelbar vor sich. Stevenson hat sehr unmittelbar und nicht theoretisierend und langatmig erzählt, so dass man sehr in die Geschichte abzutauchen vermag.

Jim Hawkins kommt in der alten Schänke seines Vaters in den Besitz einer Schatzkarte. Er ist aber nicht der einzige, der daran interessiert ist – bald sind ihm und seiner Mutter eine gefährliche Meute von Piraten auf den Fersen. Jim wendet sich an den Friedensrichter Trelawney und den Arzt Dr. Lively, die eine Expediton ausstatten, um die Schatzinsel ausfindig zu machen. Der Friedensrichter hat gegen den Rat des Arztes herumerzählt, dass es um einen Schatz geht. So kommt Long John Silver als Schiffskoch an Bord, und man möchte ausrufen: „Ach du bist es! Ich hab schon so viel von dir gehört!“ Wobei ich zugeben muss, dass ich nur den Namen kannte und gar keine Vorstellung hatte, um was für eine intrigante, halb sympathische und halb unerträglich-grausame Figur es sich da handelt. Der Schiffskoch stellt sich alsbald als Seeräuber und heimlicher Anführer einer geplanten Meuterei heraus, die Lage für den Erzähler, den Arzt, den Friedensrichter und den ordentlichen, englischen Kapitän Smollet und seine verbliebenen Anhänger wird denkbar brenzlig.

Der Junge Hawkins benimmt sich eigentlich an vielen Stellen daneben und wagt Halsbrecherisches, wobei sich dieser Ungehorsam, das kann man sich wohl schon denken, letztlich zu einem guten Ende führt.

Wie das aber geschieht und welche Wendungen die Geschichte auf der Hawkins auf den ersten Blick verhassten Schatzinsel nimmt, soll hier nicht verraten werden – vielleicht will sich ja noch der eine oder andere auf die Reise machen. An dieser Stelle nur so viel: es gibt stinkige, fluchende Piraten, einige Tote, die Seeräuberlieder eines verstorbenen Kapitäns, Entermesser, Pistolen…

Wer sich also mal gepflegt in einem unterhaltsamen Abenteuer verlieren möchte – die „Schatzinsel“ kann ich zu diesem Zweck nur empfehlen.

 

 

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