Sounds der Woche (96)

Lied. Mitten im Gespräch bekommt er einen abwesenden Blick und horcht. „Was?“
„Greensleeves. Das hab ich Jahre lang schon nicht gehört.“
Ich lausche und erkenne auch irgendwann in der weichgespülten Musikuntermalung des asiatischen Restaurants das Lied.
„Na. Nicht unbedingt die beste Musik, die hier läuft“, sagt er, und wir löffeln weiter unsere Nudelsuppe.
Als wir uns später verabschieden, höre ich einen Augenblick lang nicht, was er sagt, denn ein Straßenmusiker im Durchgang zum Kaufhof spielt auch, schon wieder, was ist das nur heute, „my joy, so long, alas, my lady greensleeves“.

Straßenbahn II. Posaunenvariationen aus der Ferne haben wir gehört, mehrere Stunden lang, immer wieder, ausschnittweise. Posaune, das hallt in uns nach, als wir endlich müde in der Straßenbahn sitzen. Wir starren vor uns hin. Und das Quietschen der Bahn auf den Schienen hallt in uns nach wie Posaunen.

Buchmesse. Draußen ist der kleine Teich mit den Kieselsteinen, Brücken darüber, Liegestühle und Stille. Wir gehen durch die Glastür in die Messehalle hinein, da öffnet sich ein Summen und Murmeln unter dem weiten Glasdach. Es packt mich das Gefühl von der Gleichzeitigkeit allen Sprechens, in meinen Ohren diese Wortwattewellen, in meinem Kopf die Gleichzeitigkeit aller Bücher, aller Leser und alles Geschriebenen.

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