Sounds der Woche (65)

Lied. Erst ist das Reden, das Rufen, das Kreischen der spielende Kinder im Hof zu hören. Dann fangen sie an aus Leibeskräften zu singen: HAPPY BIRTHDAY TO YOU! Kann man überhaupt sagen, sie singen? Jeder brüllt das Lied in den Hof, nicht schön und ganz und gar nicht in einer Tonart. Ich sehe sie vor mir, zu einer Gruppe zusammengedrängt unter einem Fenster, in das hinein sie ihre guten Wünsche schmettern: wer am lautesten ist, meint es am besten, und keiner will hinter dem anderen zurückstehen. Ich frage mich, ab wann Kinder darauf achten, wann sie mit den Nuancen anfangen, mit dem Gleichklang und dem richtign Ton, und dann auch mit dem verschämten „Ich kann aber nicht singen.“ Und fände es schön, es begönne nie, und bis ins hohe Alter drängten wir uns unter den Fenster zusammen, um inbrünstig unsere guten Wünsche da hineinzuschreien, laut und HAPPY TO YOU.

Plastigall. Auf der einen Seite des Ufers sitzt eine Nachtigall im Baum, auf der anderen ist die Wiese, auf der die Feierabendmenschen sich breit gemacht haben. Einer hält ein Smartphone in der Hand, aus dem Laute hervordrängen, künstliche Vogelrufe, vielleicht auch der sehnende Schmelz einer Nachtigall. Ich denke an Andersens Märchen, der echte und der künstliche Vogel, hier sind beide zu hören, der eine im Baum, der andere im plastenen Smartphonekäfig, von Interferenzen verrauscht.

 

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